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Interview mit OBLIVEON.
www.obliveon.de, oblivion-magazin@t-online.de
OBLIVEON : Es gibt meines Wissens nach keine offizielle Bleiburg Internetpräsenz, Dark Transmission würde ich da mehr als Labelpräsenz bezeichnen, was heutzutage eher ungewöhnlich ist. Erst jetzt gibt es eine Seite bei Myspace, die bislang wenig Informationen über Bleiburg und seine musikalische Historie beinhaltet. Vielleicht kannst Du einen kurzen Abriss über die Biographie und die Motivation hinter Deiner künstlerischen Arbeit geben (Motivation, Vorbilder, etc.)
BLEIBURG : Dark Transmission versteht sich aus einem Zusammenschluß von befreundeten Musikern, die in diversen Veröffentlichungen untereinander involviert sind. Die sich dort befindenden Unterseiten von MDMA und MANMACHINE sind lediglich Informationsseiten. Die BLEIBURG-Unterseite bei www.dark-transmission.de ist hingegen tatsächlich die einzig offizielle Internetseite (Anmerkung : zum Zeitpunkt des Interviews). Zur Myspace-Seite kam ich eher zufällig, da mir dEMOND von MDMA und TENTO11 schon seit längerem damit im Ohr lag und ich dann schließlich seiner Anregung nachgab und nun ebenfalls dort vertreten bin.
BLEIBURG gibt es bereits seit den ersten Aufnahmen 1994, die auf meiner 7” “Chess Board” veröffentlicht sind. Durch die Jahre haben sich viele musikalische Vorbilder angesammelt, was auch die Vielfalt der Musikstile erklärt (allerdings hängt das auch mit den Künstlern zusammen, mit denen ich arbeite). Tatsächlich sehe ich die Vorbilder BLEIBURGS in folgenden Gruppen : Aircrash Bureau, Amir Baghiri, Arcana Obscura, Bigod 20, Borghesia, Brigade Werther, Cabaret Voltaire, Clock DVA, Data Bank A, Death In June, Deep Thought, E Truchneon, Esplendor Geometrico, Force Legato, Grauzone, Haus Arafna, Hubert Kah, Kirlian Camera, Klangwerk, Placebo Effect, Psychic TV, S.P.K., SAT Stoicizmo, Schnitt Acht, Scope, 6th Comm, Time Modem, Tragic Error, Umo Detic, Vidna Obmana, Vomito Negro und X Marks The Pedwalk.
OBLIVEON : In den kommenden Monaten wird eine ganze Reihe von Bleiburg-Alben veröffentlicht werden, die zudem musikalisch sehr unterschiedlicher Natur sind. Macht es das als Hörer und als Fan aufgrund dieser Diversifikation nicht schwierig, eine Identifikation mit Bleiburg zu finden?
BLEIBURG : Dieses Jahr war ein sehr fruchtbares im Hinblick auf die Veröffentlichungen. Bei Old Europa Cafe erschienen bereits 8 2CD´s und eine 4CD. Aktuell ist die seit längerer Zeit angekündigte 2CD “Pieces Of A Broken Dream” bei Cold Spring Records erschienen. Zugegeben ist es schwierig BLEIBURG in irgendeine Schublade zu stecken, aber ich meine es ist besser so als daß wir uns von Veröffentlichung zu Veröffentlichung selbst kopieren.
OBLIVEON : Warum diese Vielzahl an anstehenden Veröffentlichungen, bist Du mit Bleiburg doch bereits seit Ende der 90er aktiv und hast bis auf die “Domobran” LP bis dahin doch in erster Linie Samplerbeiträge veröffentlicht.
BLEIBURG : Diese Masse an nun veröffentlichtem und anstehenden Material ist das Resultat meines mehrjährigen Schaffens. Wenn ich ehrlich bin, mache ich Musik die eigentlich in erster Linie erstmal mir gefallen muß (sowie den beteiligten Musikern). Von den jetzt 273 Liedern die ich dann bis dato veröffentlicht habe sind viele aus meinem Archiv hervorgeholt. Dieses hält noch die ein oder andere Überraschung verschlossen.
OBLIVEON : Wo selbst siehst Du den musikalisch stilistischen Mittelpunkt Deiner Arbeit.
BLEIBURG : Ich habe keinen und möchte mich auch auf keinen festlegen.
OBLIVEON : Bleiburg und der THAGLASZ, so vermutet man, müssten aufgrund der ganzen unterschiedlichen Kollaborationen und Veröffentlichungen am ehesten im Neofolk angesiedelt sein, doch das Hauptaugenmerk Deiner Kompositionen liegt im elektronischen Bereich. Ist diese ein Merkmal für die (musikalische) Ambivalenz, in der Bleiburg sich bewegen?
BLEIBURG : Ich selbst meide den Begriff Neofolk, da er mir etwas zu einseitig ist. Ich bevorzuge eher den Begriff “Apocalyptic Folk”. Es wird immer wieder mal Alben geben, die ganz oder in Teilen auch mit dieser Musikrichtung kokettieren, wie z. B. die für nächstes Jahr geplante 2CD “Shadows Will Survive”. Natürlich wird das elektronische nicht wegzudenken sein - schließlich kommen viele musikalische Vorbilder BLEIBURGS aus diesem Bereich. Wie ich bereits sagte, ist nichts vorherzusehen.
OBLIVEON : Du hast mir dankenswerterweise drei CDRs mit den Songs Bleiburgs zukommen lassen, die sämtliche anstehenden Veröffentlichungen beinhalten. Bei der Menge an über 220 Songs sieht es für mich fast so aus, als ob Du rund um die Ohr kreativ und künstlerisch aktiv bist und ständig Songs schreibst. Bedarf es einer bestimmten Stimmung, um Stücke zu schreiben? Kannst Du Dich zur Kreativität zwingen?
BLEIBURG : Nein, die Lust Stücke zu schreiben ist immer vorhanden, wenn dafür Zeit ist wird die Hardware so lange gequält bis ich mit dem Endergebnis zufrieden bin. Zwingen brauch ich mich dafür nicht.
OBLIVEON : Musikalische Kollaborationen zählen bei Bleiburg ganz offensichtlich zum musikalischen Konzept. Wie kommt der Kontakt zu den einzelnen Bands und Projekten wie Von Thronstahl, Werkraum, Amir Baghiri, Aube, Cawatana, Cellar Of Rats, Harvest Rain, Larrnakh, Lonsai Maikov, Nocturne, Obscure Resistance, Project Toth, The Soil Bleeds Black, Telepherique, Thorn Agram oder Vidna Obmana zustande?
BLEIBURG : Zum Teil sind das alte Bekanntschaften noch zu Thaglasz-Zeiten, die ich über die Jahre hinweg gepflegt habe. Andere wiederum haben sich aus dem Wunsch der Zusammenarbeit entwickelt- wie z.B. mit Telepherique, Aube, Amir Baghiri oder Vidna Obmana.
OBLIVEON : Gibt es in Deiner künstlerischen Arbeit eine politische Motivation, wie alleine der Name und der Track auf “Domobran” es vermuten lassen, ist Bleiburg geschichtlich gesehen doch der Schauplatz des “Massakers von Bleiburg”, wo 1945 Kollaborateure des dritten Reiches durch jugoslawische Partisanen zu Tausenden ermordet wurden
BLEIBURG : Politisch gibt es von meiner Seite keine Motivation : geschichtlich schon. Es ist falsch das Bleiburg allein der Schauplatz eines Massakers war. Bleiburg war der Ort an dem das Gewissen Europas versagte. Erst nach der Auslieferung der nach Bleiburg geflüchteten Menschenmassen von der britischen Seite begann mit den sogenannten Kreuzwegen der hunderttausende Mord an der Zivilbevölkerung sowie den verschiedensten Truppenteilen des kroatischen Staates, der für das Dt. Reich kämpfenden slowenischen Weißgardisten oder den Kosaken sowie auch im wesentlich geringeren Teil an den serbischen Tschetniks.
OBLIVEON : Spiegelt sich dieses Interesse an der eigenen Geschichte - ich vermute, Deine Wurzeln liegen im ehemaligen Jugoslawien - auch in den anderen Arbeiten Bleiburgs wieder? Ist Bleiburg ein Mittel geschichtliche Geschehnisse darzustellen und auf bestimmte Unrechtshandlungen im Namen der Politik und falscher Ideologien hinzuweisen? Wäre Bleiburg auch ohne einen politischen Hintergrund denkbar?
BLEIBURG : Nochmals : BLEIBURG ist keine politische Gruppe und weist jeden politischen Hintergrund von sich. Den einzigen Hintergrund, den BLEIBURG hat ist ein geschichtlicher. Aber da jede vergangene Sekunde Geschichte ist, ist die potenzielle Anzahl der von BLEIBURG behandelnden Themen nahezu unerschöpflich.
OBLIVEON : Nimmst Du bei der Auswahl der Samples, die Du verwendest, politisch Stellung? Warum verwendest Du gerade Samples, die zum Teil anscheinend aus deutschen Wochenschau- und Rundfunkberichten stammen und Erfolgsmeldungen der deutschen Wehrmacht beinhalten? Gibt es Tabus, die Du bei der Verwendung von Samples nicht überschreiten würdest?
BLEIBURG : Viele Samples scheinen auf den ersten Blick aus dieser Zeit zu stammen, allerdings entpuppen sie sich dann bei näherer Betrachtung als “auf alt getrimmt”. Diese Samples sind eigentlich fast nur auf der “Domobran” 2LP zu finden. Natürlich sind auch einige Originale dabei, aber die sind eher auf den jeweiligen Liednamen bezogen und nicht auf irgendeine Botschaft.
OBLIVEON : Wurde Bleiburg je mit dem Vorwurf der Verherrlichung von Militarismus konfrontiert? Wie gehst Du mit solchen Vorwürfen um?
BLEIBURG : Nein, warum auch?
OBLIVEON : Viele der Veröffentlichungen auf THAGLASZ sind streng limitiert, und auch “History In Flames” erscheint in einer streng limitierten Box mit T-Shirt. Warum diese strikte Reglementierung aktueller aber auch zurückliegender Veröffentlichungen mit Bleiburg, wie auch bei THAGLASZ?
BLEIBURG : Die strenge Limitierung der 2CD Box “History In Flames” (erschienen bei Skull Line) schließt tatsächlich an die strengen Limitierungen aus den Thaglasz-Zeiten an. Was die Zukunft hinsichtlich der Limitierung bringt steht in den Sternen. Die aktuell bei Cold Spring Records erschienene 2CD hat eine vierstellige Auflage.
Ich bin eher der Freund von außergewöhnlichen Tonträgern in limitierter Auflage - bei meinen und bei anderer Gruppens Veröffentlichungen.
OBLIVEON : Ist Bleiburg, auf lange Sicht gesehen, ein reines Studioprojekt, oder besteht die Möglichkeit von Live-Konzerten?
BLEIBURG : Es wurde schon oft angefragt. Eine ernsthafte Überlegung war der Support dieses Jahr zu dem von dem “Störklang”-Macher organisierten Konzert der Gruppe Dive. Das einzige Livekonzert aus der Mitte der 90er Jahre befindet sich als Mitschnitt auf der 2CD “Falcon Of Zagreb” mit 7 Liedern.
OBLIVEON : Wird es eine Fortführung von THAGLASZ geben?
BLEIBURG : Nein, von meiner Seite nicht. Thaglasz wurde vor mehreren Jahren an den Nachfolger Thomas M. aus Berlin abgegeben - dieser glänzt leider nicht durch die Veröffentlichung von Tonträgern und Büchern, sondern durch Nichtstun.
OBLIVEON : Wie siehst Du die aktuelle Neofolk-Szene? Sind die Ideale der Szene-Gänger immer noch die gleichen, oder findet hier heutzutage eine Öffnung zum Mainstream statt, bedenkt man, dass nun auf einmal auch der “Orkus” diese Szene für sich entdeckt hat?
BLEIBURG : Warum auch nicht. Lange genug hat die Szene vor sich hingedümpelt. Ich finde es begrüßenswert, wenn Musiker die sich lange Jahre nicht unterkriegen lassen haben nun Zugang zu einer breiteren Masse. Es wird sich zeigen ob die typischen Szene-Gänger damit umzugehen wissen ...
OBLIVEON : Hat sich die Szene auch musikalisch verändert? Hat der Einfluss naturromantischer Tendenzen hier mittlerweile einen größeren Einfluss bekommen, als beispielsweise eine politisch oder sozial motivierte Grundhaltung innerhalb der Szene? Gibt es für Dich so etwas wie eine “politisch korrekte” Neofolkszene? Wer definiert innerhalb dieser Szene, was politisch korrekt ist, und was nicht?
BLEIBURG : Wenn man einem Individuum nicht abstreitet selbst denken zu dürfen, so hat jeder für sich das Recht und die Pflicht über die Art und den Inhalt der Musik zu urteilen, die er oder sie hört. Gefährlich finde ich solche, die sich anmaßen aus welcher Richtung auch immer (oder aber auch aus der Existenz von zuviel Zeit) Musiker oder deren Hörer für irgendetwas verdammen zu wollen.
OBLIVEON : Möchtest Du abschliessend noch etwas sagen oder ankündigen?
BLEIBURG : Eigentlich nur den Hinweis auf die nächstes Jahr erscheinende 2CD “Shadows Will Survive”.
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